Frühlings Erwachen

Wie ich auszog, um die Frühlingsgeister zu wecken

Die Sonne hat bereits die Schwäche, mit welcher der Winter sie behangen hatte, von sich geschüttelt und bekommt allmählich ihre Kraft zurück. Doch die Frühlingsgeister, die alles in wunderschönes Grün tauchen, die Knospen aus den Ästen treiben und die Blütenpracht zum Explodieren bringen, ja die, die schliefen wohl noch tief und fest. Aber ich ertrug es einfach nicht mehr länger! Dieses Grau und Braun, dass die Landschaften und auch den Alltag dominierte. Und so machte ich mich auf den Weg in den Wald, denn dort, so hörte ich, sollten sie sich befinden eingegraben in altes Herbstlaub. Die Lichtungen innerhalb des Waldes waren mein Ziele. Jene Orte, die weit ab liegen von all den Menschen, geschützt und an denen die Sonne zu ihnen durchdringt, die sie eigentlich wach kitzeln sollte. Ich suchte sehr lange und an vielen Lichtungen bis ich erschöpft aufgab und mich auf den Weg nach Hause begeben wollte. Doch da sah ich einen goldenen Schimmer am Rande der Lichtung, der meine Aufmerksamkeit erregte. Aufregung durchflutete mich! Konnte es wirklich sein, dass ich am Ende doch noch einen der Geister gefunden hatte. Aber warum sollte ich eigentlich nicht auch mal ein bisschen Glück haben nach meiner langen erfolglosen Suche! Und ich hatte Glück. Da lag eines der Geistermädchen tief schlafend am Fuße eines Baumes fast gänzlich mit Laub bedeckt.

Kein Wunder, dass die nicht aufwacht, dachte ich mir. So tief wie sie ins Laub eingemummelt ist und auch noch schön mit dem Rücken zur Sonne da liegt damit sie auch ja nichts mit bekommt und geweckt wird. Sie schnarchte sogar ein kleines bisschen. Ich hatte sie wohl nur entdeckt weil das Laub, dass sie bedeckte von ihren Haaren gerutscht sein musste, als sie den Rücken zur Sonne gedreht hatte. Diese hier war wirklich ein verschlafenes Exemplar, dass den Ruf der Sonne frech ignorierte, um weiter von Frühling zu träumen. Damit ist jetzt aber Schluss, dachte ich mir. Wie schön ihre Träume auch sein mögen, ich möchte auch endlich etwas vom Frühling ab haben. Aber wie weckt man denn so einen Frühlingsgeist? Darüber hatte ich mir gar keine Gedanken gemacht, da ich nicht damit gerechnet hatte überhaupt einen zu finden. Ich wollte sie auf einen nette Art und Weise wecken, denn geweckt zu werden, dass weiß ja jeder, ist nie besonders schön. Ich überlegte ein Weilchen, wie ich es am besten anstellen sollte. Schließlich kniete ich mich neben sie und fing an ihr leise über den Frühling zu erzählen. Über die Farben, die Düfte, das Gefühl der Leichtigkeit, dass einen erfüllt, wenn die Dunkelheit des Winters endlich verschwindet. Ich erzählte ihr von den schönen Blumen und den Vögeln, die endlich wieder anfangen würden zu singen. All das erzählte ich ihr. All das und noch viel mehr. Und nach einer Weile, ich verspürte zu dem Zeitpunkt schon, wie mir allmählich der Mund trocken wurde, da schlug sie die Augen auf!

Der Blick ihrer großen, grünen Augen traf den meinen direkt und intensiv dennoch schien es, als sähe sie gar nicht mich, sondern jemand ganz anderen. Jemanden, den sie gerade noch im Traum vor sich hatte und den sie immer noch mit ihrem Blick zu fassen versuchte. Sie runzelte die Stirn, da es sich für einen Geist wohl nicht gehörte von einem einfachen Menschen geweckt zu werden. Leicht verärgert fragte sie mich: „Warum hast du mich geweckt.“ „Naja es wird Zeit, dass der Frühling kommt“, sagte ich. “ Es ist schon viel zu lange grau und kalt. Bitte steh auf und bringe uns den Frühling wieder.“ „Ich bin aber noch sooo müde. Ich will noch ein bisschen weiter schlafen“, sagte sie und gähnte. „He siehst du nicht, wie die Sonne scheint? Dreh dich mal um! Es wird Zeit, dass auch die Farben endlich wieder zurück kommen?“ „Da drehte sich sich um in ihrem Bett aus Laub und rümpfte die Nase, als die Sonnenstrahlen sie ins Gesicht trafen.

Sie schien die Wärme der Sonne auf ihrem Gesicht zu genießen und sagte lächelnd, „Gut: du erzählst mir weiter vom Frühling und ich werde langsam wach. Ich brauche zum Wachwerden immer ein Weilchen.“ Und so fing ich wieder an zu erzählen, denn schließlich wollte ich unbedingt den Frühling wieder haben! Doch statt wacher zu werden, wie sie es mir versprochen hatte, schloss sie genüsslich wieder die Augen und schien geradewegs in einen Traum sinken zu wollen.

„HE!“, rief ich. “ So geht das aber nicht! Wir hatten eine Abmachung. Hast du das schon vergessen?“ “ Was? Wie?“ Das Geistermädchen schlug erneut die Augen auf. Bevor sie mir wieder einschlafen konnte, streckte ich ihr die Hand entgegen, um sie aus ihrem Bett zu ziehen. Ob man Geister überhaupt anfassen durfte, war mir in dem Augenblick eigentlich recht egal. Hauptsache sie blieb endlich einmal wach! Sie war noch leicht benommen. Wahrscheinlich war das mein großes Glück, denn sie legte ihre Hand in meine. Schnell zog ich sie mit ganz viel Schwung hoch. Doch ich hatte wohl etwas zu viel Schwung in die Aktion gelegt, denn sie purzelte direkt auf die noch graue Wiese der Lichtung. „War das wirklich nötig gewesen?“, fragte sie und schüttelte Laub aus ihren Haaren. Ich grinste und wies mit der Hand Richtung Sonne. Sie blickte meiner Hand nach und musste von der Kraft der Sonne, die ihr da entgegen strahlte kräftig niesen. Das schien sie richtig wach gemacht zu haben. „Du hast recht“, stellte sie fest. „Es wurde verdammt noch mal Zeit, dass du mich geweckt hast“ Sie schüttelte sich erneut die wunderschönen Haare. „Lass uns den Frühling zurück holen“, sagte sie und lächelte. Es schien gleich alles viel bunter und heller zu werden. Schön, dass du endlich wieder da bist, dachte ich.

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2 Gedanken zu “Frühlings Erwachen

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